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Zensur: Bitte keine unangenehmen Wahrheiten im App Store
Geschrieben von: Frank   

Dass Apple schnell den Stecker zieht, wenn Apps nach US-amerikanischer Vorstellung anstößig sind, die Profite in Cupertino gefährden, oder über Personen des öffentlichen Lebens witzeln, ist ein alter Hut. Längst haben wir Nutzer uns mit den gelegentlichen App-Store-Rauswürfen arrangiert. Auch die Medien schweigen. Nur wenn mal wieder Arbeiter bei einem Apple-Zulieferer verletzt oder gar getötet werden, greift die Presse die Story auf.

Daher war es schon vorhersehbar, dass ein iOS-"Spiel" wie Phone Story nicht lange im App Store verweilen würde. Phone Story ist eine sozialkritische App, welche die Missstände bei der Smartphone-Produktion aufzeigt. Natürlich steht auch Apple mit am Pranger, die dargestellten Probleme lassen sich aber auch auf andere Hersteller anwenden. Thematisiert werden beispielsweise der Coltan-Abbau in Zentralafrika, die Selbstmorde bei Foxconn und das Verschiffen von Elektromüll in die dritte Welt. Dies alles sind unangenehme Wahrheiten, die so gar nicht zum makellosen Image aktueller Top-Smartphones passen. Phone Story flog als aus dem App Store. Die Begründung könnt ihr hier nachlesen.

Möglich dass sich Apple daran gestört hat, dass 70% des App-Erlöses als Spende an Organisationen gehen, welche die oben genannte Missstände bekämpfen. Spenden dürfen laut App-Store-Richtlinien nämlich nicht über das iTunes-Bezahlsystem abgewickelt werden. Sähe es doch ziemlich blöd aus, wenn Apple 30% der Spende in die eigene Tasche stecken würde. Aber machen wir uns nichts vor, auch mit überarbeiteter Spendenfunktion würde Phone Store vermutlich nicht mehr in den App Store gelassen werden.

Hinter dem "Spiel" steckt übrigens Molleindustria, eine auf politische und sozialkritische Flash-Games spezialisierte Organisation aus Italien. Der Spieler soll wachgerüttelt werden, entsprechend drastisch sind die in den Spielen gezeigten Szenen, auch wenn sie meist durch niedlich aussehende Figuren abgeschwächt werden. Spiele wie "Operation: Pedopriest" beschäftigten sogar schon das italienische Parlament.

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