| Fanboy-Alarm: Fair IT = Utopie? |
| Geschrieben von: Frank | |||
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In unserer Reihe Fanboy-Alarm behandeln wir regelmäßig Fälle, in denen die Apple-Liebe etwas zu weit geht. Heute trifft es wieder einmal die Macher vom iPhone-Ticker, die sich über eine satirische Aktion von Greenpeace echauffieren.
Provokativ sollte sie sein, die Nicht-Anzeige. "Tödlich. Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4" prangt in Apple-typischer Aufmachung neben der Abbildung eines weißen iPhones. Geenpeace hat das Kampagnenziel bereits erreicht: Die Botschaft ist in der Apple-Szene angekommen und wird heftig diskutiert. Dabei gibt es eigentlich gar nichts zu diskutieren, denn niemand wird ernsthaft Hungerlöhne, Ausbeutung und in den Selbstmord getriebene Arbeiter gutheißen. Es scheint jedoch Apple-Nutzer zu geben, die eine unangenehme Wahrheit per Schalter im Gehirn ausknipsen können, nämlich dass unsere geschätzten Kult-Geräte unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Schon mit der Überschrift "Ach Greenpeace…" macht iPhone-Ticker-Betreiber Nicolas Oestreich klar, was er von der Nicht-Anzeige hält und schiebt hinterher: "Greenpeace selbst ist mit zwei iOS-Applikation (Klick, Klack) im AppStore vertreten. Ob die Hamburger auch passende Anwendungen für das Sony Ericsson Smartphone “Aspen” anbieten – laut Greenpeace, das grünste Mobiltelefon am Markt – konnten wir leider nicht ermitteln." Was möchte uns der Autor mit diesen Zeilen sagen? Dass man nur dann Kritik an einem Konzern äußern darf, wenn man selbst keine seiner Produkte nutzt? Diese Auffassung teilen wir ganz und gar nicht. Kritik, falls berechtigt, ist immer erlaubt, denn nur wenn Missstände kritisiert werden, kann sich etwas zum Besseren ändern. Außerdem scheint Oestreich Fair IT mit Green IT zu verwechseln. Während Green IT in den letzten Jahren immer wieder ein beliebtes CeBIT-Thema war, das inzwischen aber eingeschlafen ist, wird der Ruf nach fair produzierter Computertechnik immer lauter. Jüngster Spross der Fair-IT-Bewegung ist das europäische Projekt makeITfair, das bereits durch zahlreiche internationale Protestaktionen aufgefallen ist. Natürlich könnte man behaupten, dass Ausbeutung, Kinderarbeit, schwere Arbeitsunfälle und Selbstmorde allein Apples Zulieferer zu verantworten hätten, doch diese Auffassung greift zu kurz. Apple selbst sieht sich in der Mitverantwortung für die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferbetrieben. Seit 2006 ist es vor allem die Firma Foxconn, die immer wieder durch Negativschlagzeilen auffällt. Seit 2006 geloben Apple und Foxconn Besserung, passiert ist jedoch nicht viel, zumindest wenn man Apples eigene Supplier Responsibility Progress Reports etwas genauer liest und abseits des Marketing-Blablas mal die nackten Zahlen mit dem Vorjahr vergleicht, so wie wir es getan haben. Seit fünf Jahren schaut Apple dem Treiben also tatenlos zu und lässt Zulieferbetriebe wertlose Selbstverpflichtungserklärungen abgeben, die natürlich nicht eingehalten werden. Das weiß Apple nur zu gut, wie die Supplier Responsibility Progress Reports belegen. Sanktionen? Fehlanzeige. Doch was kann getan werden, damit Apple endlich auf seine Zulieferbetriebe einwirkt um wenigstens die gravierendsten Missstände wie Kinderarbeit, Hungerlöhne und das ständige Überschreiten der Wochenarbeitszeit zu beseitigen? Die Antwort heißt Druck! Druck auf Apple kann nur auf zwei Arten entstehen:
Machen wir uns nichts vor, das erste Szenario ist bei dem derzeitigen Ansturm auf Apple-Geräte vollkommen unrealistisch. Bleibt also nur der öffentliche Druck, der durch Kampagnen wie die von Greenpeace aufgebaut wird. Ein Image als Ausbeuterkonzern kann sich auch ein Elektronikriese wie Apple nicht auf Dauer leisten. Insofern ist die Aktion von Greenpeace zu begrüßen. Apple-Fans, die auf die Kampagne des Öko-Vereins schimpfen, müssen sich die Frage gefallen lassen was sie persönlich dafür tun, dass IT fairer wird.
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Der Rest ist dummer Gutmenschen-Blödsinn für Träumer.