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Darf man mit Faschisten Geld verdienen?
Geschrieben von: frasch   

Der folgende Artikel soll nicht als App-Hinweis verstanden werden. Deshalb gibt es auch keinen App Store-Link im Artikel. Vielmehr soll hier ein Phänomen diskutiert werden, das in letzter Zeit für viel Aufregung sorgte. Die Rede ist von iMussolini, einer fragwürdigen Anwendung von Luigi Marino. Fragwürdig deshalb, weil sie sich voll und ganz Benito Mussolini widmet, dem Diktator der von 1922 bis 1943 Italiens Geschicke lenkte und ab 1936 zu Hitlers engstem Verbündeten wurde.

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Die App ist eher unspektakulär und enthält zahlreiche Reden des Diktators, eine Biografie, sowie 10 kurze Videos. Hierzulande erlange die Anwendung vor allem durch den Protest von Überlebenden des Holocaust Bekanntheit. In Italien rangiert iMussolini schon eine ganze Weile auf Platz 1 der App Store Charts, aber auch in vielen anderen Ländern ist die App in den Top 100 vertreten, sicher nicht zuletzt wegen des Medienrummels der darum veranstaltet wurde.

 

Mit PositionApp haben wir die folgenden App Store Chart-Platzierungen von iMussolini ermittelt:

Doch wie konnte iMussolini überhaupt in den App Store gelangen? Hätte Apples Prüfprozess hier nicht intervenieren müssen? Bisher rührt sich Apple nicht. Bereits letzten November hatte eine spanische Version von Hitlers Pamphlet "Mein Kampf" den App Store heimgesucht. Auch sie flog erst nach Protesten wieder aus dem mobilen Programme-Marktplatz.

Zwischenzeitlich verschwand auch iMussolini wieder, denn beim Entwickler hatte sich das italienische Filmstudio Cinecittà Luce gemeldet und drohte Marino zu verklagen, da es die Rechte an dem verwendeten Filmmaterial halten würde. Wohlgemerkt war es Marino selbst der die App freiwillig aus dem Store nahm, nicht etwa Apple.

Doch nun geht die Sache von vorne los. Nachdem sich der Entwickler mit seinem Anwalt beraten hat, enthält die App nun einen Copyright-Hinweis dass Cinecittà Luce die Rechte an den Filmaufnahmen hält, sowie einen Disclaimer dass iMussolini nicht den Faschismus verherrlichen soll. Erneut schaffte es die App durch Apples Prüfprozess und ist nun wieder käuflich zu erwerben.

Dass iMussolini nicht dazu dient Italiens Geschichte aufzuarbeiten sollte einleuchten. Sie ist wahrscheinlich auch nicht das Werk eines überzeugten Faschisten. Vielmehr hat die App nur einen einzigen Zweck: Sie soll Luigi Marino reich machen. Dieser verdoppelte nämlich den Preis von iMussolini nach der erneuten Einstellung in den App Store von 0,79 Euro auf 1,59 Euro.

Aber nicht nur Marino verdient kräftig, sondern auch Apple. Scheinbar ist man sich in Cupertino nicht zu schade auch mit braunem Gedankengut Geld zu machen. Dass iMussolini im App Store offenbar erwünscht ist, wird erst ersichtlich wenn man bedenkt wie rigoros Apple gegen nackte Haut vorgeht. Wir erinnern uns: Letztes Jahr flog die App des Stern ohne wenn und aber aus Apples Marktplatz, weil sie erotische Bildchen enthielt. Selbst die Bild-Zeitung muss dafür Sorge tragen, dass ihr berüchtigtes Seite-1-Girl stets zensiert in der PDF-Ausgabe erscheint. Wer also denkt iMussolini hätte es zweimal rein zufällig an Apples Prüfprozess vorbeigeschafft, der irrt.

Wer sich aus historischem Interesse mit dem Diktator Benito Mussolini auseinandersetzen will, dem empfehlen wir diesen Wikipedia-Artikel. Filmaufnahmen zeigt unter anderem die dreiteilige Dokumentation "Hitlers Verbündete", die gelegentlich im Fernsehen wiederholt wird. iMussolini bietet dagegen nur 10 kurze Aufnahmen im Originalton. Auch die restliche App ist zu 100% in italienischer Sprache.

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