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Kommentar: Die Bruderschaft des Apfels

Geschrieben von: Frank.

Immer wieder habe ich mich gefragt, woher der blinde Fanatismus einiger hartgesottener Apple-Fans stammt, der keine Kritik am Unternehmen aus Cupertino, oder an dessen Produkten, zulässt. In der aktuellen Ausgabe des Spiegel (52/2012) habe ich möglicherweise eine passende Erklärung gefunden. Das Nachrichtenmagazin beschäftigt sich mit der Thematik Religion, wie sie funktioniert und warum sie für den Zusammenhalt einer Gruppe nützlich ist.

Der Apple-Kult funktioniert aus meiner Sicht ganz ähnlich wie eine Glaubensgemeinschaft. Auch wenn das Bild des Apple-"Jüngers" in den Medien schon unzählige Male durchgekaut und überspitzt dargestellt wurde, steckt doch mehr dahinter, als man denkt. Zunächst einmal schenkt uns der Konzern aus Cupertino etwas, nämlich ein schickes und gut funktionierendes Produkt, das wir daher gern benutzen. Natürlich war es kein Geschenk im klassischen Sinne, denn wir haben dafür bezahlt. Aber wer ist heutzutage nicht dankbar für ein einfach zu bedienendes Produkt, das genau das tut, was es soll? Schnell führen das einzigartige Design der Hard- und Software, sowie die selbsterklärende Bedienung, dazu, dass wir uns mit Apple-Produkten identifizieren können. Dank Siri sprechen die Tablets und Smartphones aus Cupertino inzwischen sogar zu uns, was die Bindung Mensch<->Maschine stärkt.

Apple unterstützt diesen Prozess durch emotional aufgeladene Werbespots. Häufig drehen sie sich um familiäre Themen, oder setzen das Design der Gadgets aus Kalifornien gekonnt in Szene. Die Technik dahinter interessiert dabei nie. Auch die Apple-Keynotes erinnern stark an religiöse Veranstaltungen. Hier werden die Neuvorstellungen vom Auditorium nicht nur wohlwollend zur Kenntnis genommen, sondern mit ausgiebigem Applaus und Gejohle gefeiert, und das, obwohl noch niemand weiß, wie gut das vorgestellte Produkt, bzw. die neue Funktion wirklich ist.

In vielen Religionen gibt es Heilige, da macht auch der Obst-Kult keine Ausnahme. Der Apple-Mitbegründer Steve Wozniak, der sich gern zu unterschiedlichsten Tech-Themen äußert, wird nicht nur in der Apfel-Welt geschätzt. Der sympathische Nerd ist inzwischen sogar zu einem Videospiel-Helden aufgestiegen. Die Huldigung gegenüber dem verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs erreicht noch ganz andere Dimensionen. Inzwischen existiert eine ganze Reihe inoffizieller Fanartikel, angefangen bei der Jobs-Brille, über die Jobs-Kuschelpuppe, bis zum "Heiligenfigürchen". Selbst die Simpsons-Macher haben den Apple-Kult bereits in einer Folge "verarbeitet".

Das Nachrichtenmagazin der Spiegel beschreibt in Ausgabe 52/2012, wie ein gemeinsamer Glaube den Zusammenhalt einer Gruppe fördert. Auch viele Apple-Kunden sehen sich als Teil einer Gruppe, die sich durch einen exklusiven Geschmack, Technikverliebtheit und das nötige Kleingeld von der Masse abzuheben versucht. Dass Apple-Produkte aber ebenfalls zur Massenware zählen, liegt auf der Hand. Millionenfach gehen sie jeden Monat über die Ladentheke und bescheren der einstigen Garagenfirma aus den USA jährlich Rekordumsätze. Der Anschein der Exklusivität bleibt allerdings gewahrt. Wie Apple das macht, ist mir ein Rätsel.

Einer Glaubensgemeinschaft anzugehören erfordert laut Spiegel auch eine gewisse Opferbereitschaft, denn je aufwendiger die Entbehrungen sind, die der Gläubige zum Beweis seiner Zugehörigkeit erbringt, desto angesehener sei er in der Gruppe. Erfreulicherweise hat sich noch kein Apple-Fan in der Microsoft-, Samsung- oder Google-Zentrale in die Luft gesprengt, aber das traditionelle Schlangestehen vor den Apple Stores, das sich über Stunden und Tage hinziehen kann, ist für hartgesottene Fans nichts anderes als der Beleg, wie weit die Apple-Liebe geht.

Auch wenn wir selbst die Faszination der Warteschlange nicht nachempfinden können, so gilt wie in der Religion auch beim Apple-Kult "leben und leben lassen". Den Spaß an den "Zeremonien" des Apple-Kultes wollen wir niemandem nehmen. Umgekehrt gilt aber genauso, dass berechtigte Kritik erlaubt sein muss.

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