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Blutdruckmessung mit iPhone und iPad
Geschrieben von: Frank   

Gesundheitsbezogenes iPhone- und iPad-Zubehör scheint gerade schwer im Trend zu liegen. Letztes Jahr war es die WLAN-Waage von Withings, die für Aufsehen sorgte. Inzwischen sind Blutzucker- und Blutdruckmessgeräte hinzugekommen. Letzteres stellen wir euch heute vor. (...)

Auch diesmal heißt der Hersteller unseres Gadgets Withings. Die Franzosen haben ihre Gratis-App angepasst, so dass Besitzer der Online-Waage Gewicht, Fettanteil, Blutdruck und Puls mit nur einer Anwendung kontrollieren können. Die Messwerte werden grafisch aufbereitet, lassen sich aber auch jederzeit einzeln betrachten und sogar als Tabelle per E-Mail versenden. Die Bedienung ist kinderleicht:

  1. Blutdruckmessgerät an iPhone/iPad/iPod touch anschließen
  2. Armmanschette anlegen
  3. WiScale-App starten
  4. Start-Knopf drücken
  5. Ende der Messung abwarten

Auf Grund der einfachen Handhabung ist es zu verschmerzen, dass dem Gadget keine gedruckte Anleitung in deutscher Sprache beiliegt (nur Englisch und Französisch). Trotzdem gilt es ein paar Grundregeln zu beachten, damit das Messergebnis nicht verfälscht wird:

  • Man sollte ausgeruht sein. Withings empfiehlt 5-10 Minuten Ruhepause vor der Messung.
  • Zwischen zwei Messungen sollte man eine Minute pausieren.
  • Die Armmanschette muss so am linken Arm angelegt werden, dass sich der Metallzylinder 2 cm über der Armbeuge befindet.
  • Während der Messung sollte man ruhig sitzen und den Arm leicht gebeugt aber entspannt ablegen, zum Beispiel auf einem Tisch.
  • Die Armmanschette sollte sich in etwa auf Höhe des Herzens befinden.
  • Der Rücken sollte gerade sein, die Beine nicht überkreuzt.
  • Der Blutdruck sollte stets zur gleichen Uhrzeit gemessen werden, entweder morgens oder abends.

An der Verarbeitung des Messgerätes gibt es nichts zu mäkeln. Im Gegenteil, die Armmanschette wirkt sehr solide und das Datenkabel wurde vom Hersteller verstärkt. Zur Qualität des verbauten Kompressor können wir nichts sagen, da dieser im seitlich angebrachten Zylinder steckt, der auch das Batteriefach beherbergt. In letzteres kommen übrigens 4x AAA-Zellen.

Zur Erhöhung der Messgenauigkeit bietet die App die Option eine automatische Dreifachmessung vorzunehmen und berechnet danach den arithmetischen Mittelwert. Überhaupt überraschte uns die Genauigkeit des Withings-Gadgets. Die liegt mit +/- 3 mmHg bei der Blutdruck- und +/- 5% bei der Pulsmessung auf dem Niveau sehr guter Oberarmmessgeräte für zu Hause. Der Anwender hat damit also kein iOS-Spielzeug vor sich, sondern ein ernstzunehmendes Qualitätsprodukt. Zwar kostet das Withings-Gerät mit 129 Euro gut das Drei- bis Vierfache eines herkömmlichen digitalen Blutdruckmessers, bietet dafür aber einige Vorteile. Während die 0815-Klasse höchstens 100 Messwerte speichern kann, gibt es beim Withings-Produkt keine Begrenzung. Da die Daten auch grafisch dargestellt werden, lassen sich Langzeittrends verfolgen. Die Möglichkeit Messdaten zu exportieren ist ein weiterer Pluspunkt. Der behandelnde Arzt kann daher seine Diagnose auf der Grundlage einer bisher unerreichten Messwerthistorie stellen. Wer also auf eine möglichst lückenlose Beobachtung seiner Blutdruckwerte angewiesen ist, wird beim Messgerät nicht knausern. Selbst wenn das eigene iOS-Gerät einmal verlorengehen sollte, befinden sich die Messdaten immer noch auf dem Withings-Server und können weiterhin per Browser betrachtet werden. Selbstverständlich sind eure Daten mit Benutzername und Passwort vor den Augen Dritter geschützt. Das Schöne beim Withings-Ansatz ist auch, dass sich verschiedene Benutzer anlegen lassen. So kann die ganze Familie ihre Gesundheit überwachen, ohne dass Messwerte vermischt werden.

 

Wer seinen Blutdruck nicht immer zu gleichen Tageszeit messen kann, bekommt ebenfalls Hilfestellung. Der iOS-Blutdruckmesser notiert nicht nur Datum und Uhrzeit einer Messung, sondern sortiert die Werte auch nach morgens und abends und errechnet aus allen zusammengehörigen Daten einen Mittelwert für Puls und Blutdruck. Messwerte die beim Arzt ermittelt wurden, lassen sich manuell in der App nachtragen. Wer noch keine Ahnung davon hat wie die Messergebnisse zu beurteilen sind, findet in der Withings-Anwendung ein ausführliches FAQ in deutscher Sprache. Dort gibt es auch weiterführende Erläuterungen und Hinweise zum Messgerät. Eine Farb-Codierung neben den Zahlenwerten hilft zudem bei der schnellen Einschätzung der Daten. Ein Klick auf den Farbklecks genügt und der Nutzer bekommt weiterführende Erläuterungen zu dessen Bedeutung und ab wann von Bluthochdruck die Rede ist. Das Nutzerhandbuch gibt es auch noch einmal in elektronischer Form innerhalb der App, allerdings wieder nur in Englisch

 

Fazit

Für 129 Euro bietet Withings nicht nur ein erstklassiges Blutdruckmessgerät an, sondern sorgt auch für die nach unserer Auffassung mindestens genauso wichtige Langzeitdokumentation. Der Laie kann dank der grafischen Auswertung auf einen Blick sehen, ob sein Blutdruck besorgniserregende Werte erreicht, oder ob die kürzlich eingeleitete Ernährungsumstellung schon erste Erfolge zeigt. Die Motivation regelmäßige Messungen durchzuführen, dürfte nicht zuletzt dank der optischen Anreize der App deutlich höher liegen als bei klassischen Blutdruckmessgeräten.

Kommentare (4)
  • WolfsPAD
    Hallo,
    gerade wegen der Möglichkeit der Langzeit-Dokumentation hatte ich schon
    überlegt, mir diesen Blutdruckmessgerät zu kaufen.
    Zwei Fragen:

    1. Die Genauigkeitsangaben - sind die aus dem Handbuch oder habt ihr das
    getestet?

    2. Blutdruck drei mal hintereinander zu messen, wurde bisher nie empfohlen. Auf
    welcher fachliche Grundlage wird diese Option empfohlen?

    Vielen Dank

    Wolfram
  • Frank
    Hallo WolfsPAD

    die Genauigkeitsangaben sind aus dem Handbuch. Sie sind auch zertifiziert
    worden. Hätten wir die Standardabw. selbst bestimmt, wäre es unweigerlich zu
    deutlich größeren Abweichungen gekommen, da wir keine Erfahrung bzgl.
    Blutdruckmessungen haben. Wie Du oben lesen kannst, gilt es einige Dinge vor und
    während der Messung zu beachten.

    Zur Dreifachmessung: Hier empfiehlt Withings vorher die Rücksprache mit dem
    Arzt. Vermutlich empfiehlt sich diese Option also nicht für jeden Anwender.
  • WolfsPAD
    Danke für die Informationen. Könnt Ihr noch sagen, wer das zertifiziert hat?

    Gruß
    WolfsPAD
  • Frank
    Hallo WolfsPAD,



    die Zertifizierung wurde von der European Society of Hypertension (ESH)
    durchgeführt. Ich zitiere aus den FAQ:



    "Beim internationalen Zertifizierungsverfahren des ESH werden die Ergebnisse
    des Blutdruckmessgeräts mit den Ergebnissen eines
    Quecksilber-Blutdruckmessgeräts verglichen. Die Messergebnisse werden auf die
    medizinsiche Verlässlichkeit des Blutdurckmessgeräts hin verarbeitet und
    untersucht. Des Weiteren hat das Withings-Blutdruckmessgerät die
    CE-Zertifizierung für Medizingeräte (Europa) sowie die FDA-Zertifizierung (USA)
    erhalten."

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